Warum ein Berner Hospiz?
Die Pflege und Begleitung am Lebensende gehört zur Grundversorgung. In anderen Ländern und in vielen anderen Kantonen und Städten der Schweiz gibt es bereits Hospize. In Bern gibt es bis jetzt noch kein Hospiz.
Unser aller Leben ist endlich und am Lebensende brauchen wir – wie am Lebensbeginn – vermehrt Pflege, Fürsorge und Begleitung durch unsere Mitmenschen. Ein Mensch, der an einer fortgeschrittenen, bald zum Tod führenden Krankheit leidet, benötigt nicht immer eine Versorgung in einem Akutspital. Ist ein Aufenthalt auf einer Palliative-Abteilung eines Akutspitals dennoch nötig, ist die Aufenthaltsdauer zeitlich begrenzt. Denn die Palliative Care-Abteilungen in Akutspitälern haben den Leistungsauftrag für spezialisierte Palliative Care und rechnen mit einer Fallpauschale ab. Das heisst, wenn sich die Symptome stabilisieren, müssen die Menschen verlegt werden.
Sterbende Menschen können oder wollen häufig aufgrund der Komplexität der Erkrankung oder der sozialen Situation weder zuhause noch in einer Pflegeinstitution betreut werden. Insbesondere für Sterbende vor der Pensionierung ist ein Aufenthalt in einer klassischen Pflegeinstitution aufgrund ihres Alters oder der familiären Situation keine Option. Diesen Menschen bietet das Hospiz als ergänzendes Angebot einer umfassende Palliative-Versorgung eine Alternative, wie sie in der Palliativstrategie des Bundesrates beschrieben ist.
Erklärvideo der IG Hospize Kanton Bern
Vidéo informative du collectif bernois pour les maisons de soins palliatifs
Mangelnde Finanzierung als grosses Hindernis
Aktuell müssen die Betroffene aufgrund der geltenden Pflegefinanzierung den Löwenanteil der anfallenden Kosten einer Pflegeinstitution oder einem Hospiz selber tragen. Dies betrifft einerseits Kosten für das Wohnen und die Verpflegung. Andererseits werden aber auch die Zusatzkosten, welche aufgrund komplexer Pflege und Betreuung entstehen, nicht vollständig von den Krankenkassen und vom Kanton übernommen. All diese Kosten belasten das Budget einer Familie in nicht vertretbarem Masse, da oft kein Anspruch auf Ergänzungsleistungen besteht.
Ende Juni 2025 hat der Bundesrat den Bericht zur Motion 20.4264 «Für eine angemessene Finanzierung der Palliative Care» der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerats (SGK-SR) veröffentlicht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Weder findet sich darin eine klare gesetzliche Verankerung der Palliative Care-Leistungen, noch bietet der Bericht verbindliche Finanzierungsmodelle für diese.
Der Dachverband Hospize Schweiz fordert seit Langem eine sachgerechte Finanzierung der Hospize. In einem Dossier zeigt der Verband die aktuelle Versorgungs- und Finanzierungslücke auf und vergleicht verschiedene Finanzierungsmodelle. Er fordert eine gesetzliche Verankerung der Hospize als Institutionen der Spezialisierten Palliative Care-Versorgung und eine kostendeckende Tagespauschale, wie sie beispielsweise der Kanton Wallis kennt.
Dossier zur Finanzierung der Schweizer Hospize (PDF, 5.4 MB)
Grossratsveranstaltungen zur Hospizversorgung im Kanton Bern
Grossratslunch vom 6. März 2026
Wie in den beiden Vorjahren lud die Interessengemeinschaft Hospize Kanton Bern die Grossrätinnen und Grossräte auch 2026 zu einer Informationsveranstaltung ein. Die Parlamentarier:innen nutzten die Gelegenheit, sich aus erster Hand über die aktuellen Entwicklungen der Hospizversorgung im Kanton zu informieren.
Im Zentrum standen die beiden Hospizpilotprojekte La Passerelle in Corgémont und das Hospiz Bern in der Stadt Bern. Das Hospiz Bern wird im Sommer seinen Betrieb aufnehmen, La Passerelle plant die Eröffnung ebenfalls im Jahr 2026. Darüber hinaus wurden die Planungen weiterer Erwachsenen-Hospize sowie die bisherigen Erfahrungen des Kinderhospizes allani, das seit rund anderthalb Jahren in Betrieb ist, vorgestellt.
Die IG Hospize Kanton Bern präsentierte ihre Analyse zur bedarfsgerechten Hospizversorgung. Diese geht davon aus, dass im Kanton Bern mit rund einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern jährlich etwa 10’000 bis 11’000 Menschen sterben. Internationale Erfahrungswerte zeigen, dass rund 3–5 Prozent der Sterbefälle eine spezialisierte stationäre Hospizversorgung benötigen. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von zwei bis drei Wochen pro Person sowie internationaler Richtwerte von 8–10 Hospizbetten pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner ergibt sich für den Kanton Bern ein Orientierungsbedarf von rund 50 Hospizbetten für Erwachsene.
Der Anlass war geprägt von engagierten Gesprächen, differenzierten Fragen und einem interessierten Austausch zwischen Politik und Fachpersonen. Deutlich wurde: Die Berner Hospizversorgung bewegt – und es besteht ein breiter Konsens, gemeinsam tragfähige Lösungen für schwerstkranke, sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen zu entwickeln.
Weitere Informationen und Impressionen
Grossratsfrühstück vom 6. März 2024
Am 6. März 2024 hat der Verein «IG Hospize Kanton Bern» zu einem Grossratsfrühstück eingeladen. Rund 20 Grossrätinnen und Grossräte sind der Einladung gefolgt. Mit grossem Interesse haben sie den Ausführungen zu den vier aktuellen Projekten im Kanton zugehört. Nebst dem Kinderhospiz allani sind dies das Hospiz Bern, das Hospiz Biel/Bienne und das Hopespiz im Berner Oberland. Die Vertreterinnen und Vertreter der Hospiz-Projekte haben anhand eines Fallbeispiels aufgezeigt, dass insbesondere für die Betreuung von schwerkranken Menschen unter 65 Jahren heute eine Versorgungslücke besteht, welche mit den geplanten Angeboten endlich geschlossen werden soll. Sie haben thematisiert, wie ein Pilotprojekt für ein Hospiz im Kanton Bern umgesetzt und finanziert werden könnte. Der Grosse Rat des Kantons Bern hat im Juni 2023 die Motion «Hospizplätze im Kanton Bern bewilligen und die Finanzierung regeln» (2022.RRGR.439) mit grosser Mehrheit angenommen. Die Motion verlangt, dass der Kanton die Finanzierung für die Hospizplätze regelt und ein entsprechendes Pilotprojekt startet.
Dokumentationsmappe (PDF, 8 MB)
Der grössere Zusammenhang – daran arbeiten wir
Zunächst soll die Trägerschaft auf ein möglichst breites Fundament gestellt werden. Mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit soll der dringende Bedarf nach einem Hospiz gegenüber den Behörden und den politisch verantwortlichen Gremien aufzeigt werden. Hierfür koordinieren wir uns mit anderen Akteuren, die sich auch für ein Hospiz in anderen Regionen des Kantons Bern einsetzen. Das Projekt wird von der Stadt Bern begrüsst, weil es sich in die Vision einer «Compassionate City» einfügt.
Es ist den Initiant*innen ein zentrales Anliegen, mit anderen im Bereich Palliative Care tätigen Akteuren gemeinsame Lösungen zu erarbeiten, insbesondere im Bereich der Finanzierung. Nur so können bestehende Versorgungslücken in der Palliative Care nachhaltig geschlossen werden. Die Pflege am Lebensende gehört, wie auch die Geburtshilfe, zur Grundversorgung der Bevölkerung und muss in allen Situationen sichergestellt werden. Gemeinsame Lösungen sind aber auch nötig, um eine integrierte Versorgung und eine gute Vernetzung der Angebote zu erreichen.
